Halt, jetzt dämmert ’s bei dem kleinen Fritzsche. Gestern abend war ein Onkel aus der Glasfabrik bei seinem Vater. Da fielen zwei Namen. Sein Vater sagte: „Von denen können wir uns alle eine Scheibe abschneiden, das sind Helden.“ Mensch, sogar eine Frau war dabei. Jetzt sollen die aber mal richtig Luft holen, und dann raus damit: „Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, Herr Lehrer.“
Hoppla. Herrn Lehrer muß nicht ganz wohl sein. Er hat auf einmal einen ganz komischen Blick. Aber Kurt macht das wenig aus, er strahlt über das ganze Gesicht. Eine glatte Eins ist ihm sicher, Lehrer Kramer muß wirklich krank sein, denn er schwankt mit merkwürdig schlenkernden Bewegungen auf den immer noch stehenden Fritzsche zu. Kurt hat plötzlich Herzklopfen. Das Strahlen weicht aus seinem Gesicht. Langsam verändert sich sein Gefühl der Freude erst in Staunen und gleich darauf in Angst. Jawohl, der kleine Kurt hat auf einmal richtige Angst vor Lehrer Kramer. Irgend etwas Grausiges liegt auf dessen Gesicht und in der Luft. Kurt fingert nervös an der ausgefransten Hosentasche herum. Ach, lieber Gott, mach du, daß ich nichts Verkehrtes gesagt habe. Aber der liebe Gott hat wohl gerade etwas anderes zu tun und kann deshalb den Stoßseufzer nicht hören.
Der Rohrstock pfeift durch die Luft, er hinterläßt auf der rechten Backe des kleinen Fritzsche einen blauroten Striemen. Ein Paar weitaufgerissene Jungenaugen starren erschreckt auf den Lehrer. Die Majestät in Berlin, das Vaterland und mit ihm sämtliche Helden in Zivil und Uniform sind beleidigt worden. Dem Rohrstock fällt die Aufgabe zu, diese Schande ein für allemal zu tilgen. Jetzt zeigt sich, daß Lehrer Kramer nicht nur einfacher Geschichtslehrer, sondern auch ein Held ist. Unbarmherzig erfüllt der Stock seine Mission, und als Lehrer Kramer endlich erschöpft die Hand sinken läßt, ist von dem frechen Lümmel nichts mehr zu sehen. Er liegt unter der Bank und krümmt sich vor Schmerzen. Sechsunddreißig Augenpaare starren entsetzt auf den zum Katheder schwankenden Lehrer. Sollte Herr Kramer tatsächlich so krank sein, daß er das Funkeln in manchen der Jungenaugen für patriotische Begeisterung hält? (H. Jobst)
Библиография:
1. Арсеньева М.Г. и др. Грамматика немецкого языка. Практический курс. - М.: Высшая школа, 1962. - 425 с.
2. Биркенгоф. Г.М., Молчанова И.Д. Сборник упражнений по грамматике немецкого языка (синтаксис). - М.: Международные отношения, 1969. - 175 с.
3. Гулыга Е.В., Натансон М.Д. Синтаксис современного немецкого языка (практический курс). - М.-Л.: Просвещение, 1966. - 228 с.
4. Тагиль И.П. Грамматика немецкого языка в упражнениях. - СПб.: Каро, 2014. - 384 с.
5. Учебные задания для студентов и учителей средней школы по практической грамматике немецкого языка (Конъюнктив) / сост. Виртуозова Н.П., Конькова Х.А., Вейлерт А.А. - Владимир: ВГПИ, 1991. - 48с.
6. Duden. Grammatik der deutschen Gegenwartssprache / 6., neu bearb. Aufl. - Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag. - 1998. - 912 S.
Žerebkov V.A. Das Verb. Ein Hilfsbuch der deutschen Grammatik. - Moskau: Hochschule, 1977. - 192 S.