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§ 34. Attribute verschiedenen Grades.

Man unterscheidet im Satz Attribute verschiedenen Grades. Unter einem Attribut ersten Grades versteht man ein Attribut zu einem beliebigen anderen Satzglied (Subjekt, Prädikativ, Objekt usw.). Unter einem Attribut zweiten Grades versteht man ein Attribut zu einem anderen Attribut (einem Attribut ersten Grades). Ein Attribut zweiten Grades kann seinerseits durch ein Attribut dritten Grades näher bestimmt werden usw.

Eine Stimmung von Erholung und Frieden nach überstandenen Ängsten und Schmerzen lag in der Luft... (Th. Mann)

eine Stimmung

von Erholung und Frieden (Attribute 1. Grades)

nach Ängsten und Schmerzen (Attribute 2. Grades)

überstandenen (Attribut 3. Grades)

§ 35. Das erweiterte Attribut.

Das erweiterte Attribut ist ein kongruierendes Attribut, ausgedrückt durch ein Partizip oder Adjektiv mit näheren Bestimmungen (Objekt, Adverbialbestimmung), mit denen es eine Wortgruppe bildet. Das erweiterte Attribut ist besonders kennzeichnend für die wissenschaftliche Literatur. Hat ein Substantiv ein erweitertes Attribut bei sich, so wird der Artikel bzw. das attributive Pronomen betont.

In 'dieser für Frieda Brenten schweren Zeit war Heinrich Ambrust... für sie eine wahre Stütze. (W. Bredel)

§ 36. Die Apposition (Beisatz, Zusatz)

Die Apposition ist ein Attribut, das durch ein Substantiv oder eine andere substantivierte Wortart ausgedrückt ist und mit dem Beziehungswort (Substantiv oder Pronomen) im gleichen Kasus steht. Das Substantiv sowie eine andere substantivierte Wortart, die als Apposition auftreten, können ihrerseits durch Attribute, kongruierende und nichtkongruierende, näher bestimmt werden. (Beispiele siehe unten.)

Man unterscheidet eine gebundene (uneigentliche, unselbständige) und eine lose (eigentliche, selbständige) Apposition.

§ 37. Die gebundene Apposition

Die gebundene Apposition steht gewöhnlich vor dem Beziehungswort, das dann meist ein Eigenname ist. Sie wird durch ein Substantiv ausgedrückt, das einen allgemeineren Begriff im Vergleich zum Beziehungswort bezeichnet, nämlich Titel, Beruf, Verwandtschaftsgrad usw.

Die Tante Amalie wartete immer, bis der Briefträger die Scharnhorststraße entlang kam. (A. Seghers)

An einem Oktobertag des Jahres 1793 schritten... zwei Männer durch die leeren Gassen der Stadt Paris. (W. Bredel)

Ich kann hier nicht mehr arbeiten, Herr Professor.“ (H. Mann)

Ihr Fräulein Braut geht mit meinem Fräulein Braut noch ein bißchen spazieren.„ (H. Fallada)

Ist die Apposition ein artikellos gebrauchtes Substantiv, das einen Titel bezeichnet (mit Ausnahme von Genosse, Kollege, Herr), so bekommt sie im Genitiv keine Kasusendung. Steht sie mit dem Artikel (bzw. einem Pronomen), so bleibt der Personenname (das Beziehungswort) endungslos.

...Fräulein Klärchens Stimme gebot Frieden. (J. R. Becher)

Herr Klöterjahn pochte an Herrn Spinells Stubentür... (Th. Mann)

Das Ansehen des Chauffeurs Gustav Becker war in der Küche gestiegen... (A. Seghers)

Einer vorangestellten gebundenen Apposition gleicht eine Maß- oder Mengenbezeichnung; das Beziehungswort ist häufig ein Stoffname oder auch ein anderer Begriff: ein Stück Zucker, zwei Liter Milch, ein Glas Wein, drei Meter Kattun, eine Tafel Schokolade; eine Partie Schach, fünf Minuten Aufenthalt, zehn Minuten Pause usw.

Gehst du noch ein Glas Bier mittrinken, Kollege?“ fragte Hans... (F. Erpenbeck)

Er kaufte... der Lotte eine Tafel Schokolade. (A. Seghers)

Die gebundene Apposition kann auch nachgestellt werden. Stets nachgestellt ist die Apposition zum Beziehungswort, das durch ein Pronomen ausgedrückt ist.

...der Herr Brockenwirt war vernünftig genug, einzusehen, daß ich kranker Mensch für die Nacht ein ordentliches Bett haben müsse. (H. Heine)

Hannsjörg aber lächelte: „Ja, wir gehören zusammen, wir Brüder Lautensack.“ (L. Feuchtwanger)

Wir richteten es so ein, daß wir Drei beieinander zu sitzen kamen. (J. R. Becher)

Die nachgestellte gebundene Apposition kann durch die Konjunktion als an das Beziehungswort geknüpft werden.

Oh, ich als Chemiker probiere noch ganz andere Sachen.“ (H. Mann)

Die nachgestellte gebundene Apposition bezieht sich oft auf einen Personennamen und bildet mit ihm als sein Beiname ein unteilbares Ganzes. Solch eine Apposition kann durch ein substantiviertes Adjektiv oder eine Ordinalzahl, seltener durch ein Substantiv ausgedrückt werden.

In diesem Wägelchen aber saß das Kind, saß Anton Klöterjahn der Jüngere, saß Gabriele Eckhofs dicker Sohn! (Th. Mann)

Höher war die österreichische Macht nie gestanden, als nach dem Siege Karls des Fünften bei Mühlberg... (F. Schiller)

Meister Martin der Küfner und seine Gesellen“ von E. T. A. Hoffmann.

§ 38. Die lose Apposition.

Die lose Apposition wird immer nachgestellt. Da sie inhaltlich Neues, Wichtiges enthält, wird sie im Satz stets abgesondert. Dabei kann sie sich von ihrem Beziehungswort loslösen und zuweilen im Satz auch die Endstellung einnehmen.

Und nun begriff ich, was Arbeit heißt, was Arbeit ist, für mich, für einen Arzt.“ (R. Leonhard)

Das hatte ihm Belloni, sein Mitgefangener, genau erklärt. (A. Seghers)

Hartinger, der weitaus Beste der Klasse, mußte in der Volksschule bleiben. (J. R. Becher)

Enthält die lose Apposition eine Erklärung, Ergänzung, Konkretisierung des Beziehungswortes, so wird sie meist durch die Konjunktionen wie, also, nämlich, namentlich, und zwar, das heißt (d. h.) usw. an ihr Beziehungswort geknüpft.

Nun waren Zeiten angebrochen..., wo Begriffe wie Recht und Gerechtigkeit jeden Sinn und Wert verloren hatten... (W. Bredel)

§ 39. Das Prädikative Attribut

Das prädikative Attribut ist ein Satzglied, das im Satz eine doppelte syntaktische Beziehung hat: zum Prädikat und zum Subjekt bzw. Akkusativobjekt. Das prädikative Attribut gehört in die Gruppe des Prädikats. Es kennzeichnet jedoch nicht das Prädikat, sondern das Subjekt bzw. das direkte Objekt des Satzes. In den meisten Fällen bezeichnet das prädikative Attribut das Merkmal eines Dings (des Subjekts bzw. Objekts), das ihm nicht immer eigen ist, sondern es bringt dieses Merkmal in Verbindung mit dem Prädikat, d. h. mit einem Zeitbegriff. Das prädikative Attribut wird ausgedrückt:

1. durch ein Adjektiv oder Partizip in der Kurzform;

Meine Mutter saß zart und still auf dem Sofa an dem runden Tische im Wohnzimmer... (Th. Mann)

Werner stand wartend vor dem... Spiegel... (F. Erpenbeck)

Die Schachspiele stehen verlassen auf den Tischen. (W. Bredel)

Janko traf Jacques nervös und überarbeitet an... (B. Kellermann)

2. durch eine Partizipialgruppe sowie ein Adjektiv mit näheren Bestimmungen;

Petra Ledig wartete, mit den Augen müde gegen das Licht blinzelnd... (H. Fallada)

Da wandelt der Herr weiter, zufrieden mit der Wirkung seiner Person. (Th. Mann)

3. durch ein Substantiv (oft auch eine Substantivgruppe):

a) im Genitiv, dabei stets von einem attributiven Adjektiv begleitet;

So angetan, machte sie sich auf den Weg, und zitternden Herzens stand sie nun im Standhaus... (W. Bredel)

b) mit Präposition;

Wehner schleuderte in sinnloser Wut den Hörer auf den Schreibtisch. (W. Bredel)

Hier wendet sich der Gast mit Grausen... (F. Schiller)

c) mit als und voller;

Genösse Hardekopf... arbeitet als Eisengießer auf der Werft.“ (W. Bredel)

Ich fragte Xaver, ob er mich nicht als Burschen gebrauchen könne. (J. R. Becher)

Voller Verzweiflung starrte Herr Herbst vor sich hin. (B. Kellermann)

d) im Nominativ (selten, meist nur poetisch);

...Ein Feind kommst du zurück dem Orden...“ (F. Schiller)

Und so saß er eine Leiche eines Morgens da. (F. Schiller)

4. durch die Konstruktion accusativus absolutus;

Sie liegen — wie Torsten — kalten Schweiß auf der Stirn am ganzen Körper zitternd, mit stieren Augen auf ihren Pritschen... (W. Bredel)

Wie er in die Tür tritt, den Fliederstrauß schämig vor dem Gesicht, verschwindet sofort die Nachbarin Boilers. (W. Bredel)

5. durch ein Numerale oder ein Pronomen;

Sophie... sprang als erste auf die Leiter... (A. Seghers)

Die anderen kannten die Weise und summten alle mit. (H. Mann)

§ 40. Das Objekt (Ergänzung)

Das Objekt ist ein Nebenglied des Satzes, das zur Gruppe des Prädikats gehört. Es bezeichnet ein Ding (bzw. eine Person), auf das die Handlung gerichtet wird, oder das selbst ein Ergebnis der Handlung ist.

Du mußt das Taschentuch finden, koste es, was es wolle.“ (J. R. Becher)

...ich setzte mich nieder und schrieb an Mops einen Brief... (J. R. Becher)

Das Objekt kann sowohl das verbale Prädikat als auch das prädikative Adjektiv ergänzen.

Georg betrachtete den Schuppen, der ihm die übrige Aussicht versperrte. (A. Seghers)

Felix ward des Fragens nicht müde... (J. W. Goethe)

Das Objekt wird meist durch ein Substantiv (oder eine andere substantivierte Wortart) sowie ein Pronomen ausgedrückt. Es kann in allen Kasus außer dem Nominativ, mit oder ohne Präposition, gebraucht werden. Je nach seiner grammatischen Form unterscheidet man: das Akkusativobjekt, das Dativobjekt, das Genitivobjekt und das präpositionale Objekt.

Sie hebt ihre Eimer auf, trägt sie in den Stall, geht mit den leeren Eimern ins Haus. (A. Seghers) (Akkusativobjekt)

Georg folgte dem Männlein vom Weg ab über den Wiesengrund. (A. Seghers) (Dativobjekt)

Ich gedenke oft des Tages, an dem ich das Meer zum ersten Mal erblickte. (Th. Mann) (Genitivobjekt)

Die Wohnung in der Stadt bestand aus drei Zimmern und Küche. (A. Scharrer) (Präpositionalobjekt)

Als Objekt tritt oft ein Infinitiv bzw. eine Infinitivgruppe auf. Man kann solch ein Objekt ein Infinitivobjekt nennen.

Sie wagte nicht aufzustehen... (H. Fallada)

Petra sieht ihn an, sie wird es nie müde, ihn an zusehen... (H. Fallada)

Alle Kinder lieben es, Beifall zu klatschen. (Th. Mann) Sie bestand darauf, nach Hause zu gehen. (H. Mann)

Nicht alle Verben verlangen ein Objekt, sondern nur die objektiven Verben. Viele objektive Verben ziehen stets ein Objekt nach sich: geben, nehmen, machen, bedürfen, zeigen, begegnen, schenken, sich nähern, sorgen, anblikken, drohen, gleichen, grenzen und viele andere. In diesem Fall wird das Objekt zum grammatisch notwendigen Satzglied.

Viele Verben können mit zwei Objekten gebraucht werden: einem Akkusativ- und einem Dativobjekt (geben, schenken, verkaufen, bringen, mitteilen, sagen, erzählen u. a.), einem Akkusativ- und einem Genitivobjekt (beschuldigen, anklagen, berauben u. a.), einem Objekt im Akkusativ bzw. Dativ und einem präpositionalen Objekt (fragen, versorgen, schicken, überzeugen, wählen, halten, bitten, flehen, warnen, retten; danken, gratulieren u. a.).

Du, jetzt laß ich dich nicht mehr los, bevor du mir nicht alles gesagt hast.“ (J. R. Becher)

Ein Schüler der unteren Klasse mußte dem Schüler der höheren Klasse die Stiefel putzen... (J. R. Becher)

Sie klagen mich des Hochverrats an der Republik an!“ begann Walter... (W. Bredel)

In irgendeinem Winkel ihres Herzens beneidete Frieda Brenten ihre Schwägerin um ihr Heim und ihr Leben. (W. Bredel)

Es fehlt den Männern der Gironde an Entschlossenheit.“ (W. Bredel)

Die Eltern hatten mir zum bestandenen Examen gratuliert. (J. R. Becher)

§ 41. Das Akkusativobjekt.

Das Akkusativobjekt (direktes Objekt) bezieht sich auf transitive Verben und antwortet auf die Fragen: wen?, was? Es bezeichnet den Gegenstand der Handlung und ist deshalb besonders häufig ein grammatisch notwendiges Satzglied.

Er erblickte den älteren Alwig in den Rüben und rief ihn an. (A. Seghers)

Frieda starrte bewundernd das Bild an. (W. Bredel)

Folgende transitive Verben verlangen zwei Akkusativobjekte: lehren, nennen, schelten, schimpfen, kosten.

Auf der Station umarmte Frau von Ypsilanti Janko und nannte ihn ihren Retter und Wohltäter... (B. Kellermann)

Ich brauchte einen, der ein standhaftes beben mich lehrte. (J. R. Becher)

Und nun lag sie in der Entbindungsanstalt. Carl Brenten kostete es sechzig Mark. (W. Bredel)

Bei einigen unpersönlichen bzw. unpersönlich gebrauchten intransitiven Verben, die Empfindungen oder Gefühle ausdrücken, bezeichnet das Akkusativobjekt die Person, welche von diesen Empfindungen oder Gefühlen bewegt wird.

Mignon lag auf seinen Knien; das Kind war unruhig, und auf seine Frage, was ihm fehlte, antwortete es: „Mich hungert!“ (J. W. Goethe)

Plötzlich fror ihn — er war so nahe am Ziel. (H. Fallada)

In den unpersönlichen Sätzen mit es gibt, in denen das Vorhandensein (oder Nichtvorhandensein) eines Dings bzw. einer Person festgestellt wird, bezeichnet das Akkusativobjekt dieses Ding (diese Person)

Einen Fahrplan gab es nicht mehr. (L. Frank)

Ratten gab es mehr als früher; sie fanden unter den Ruinen genug zu fressen. (E. M. Remarque)

Auch viele stehende Wendungen können ein Akkusativobjekt verlangen: (jemanden) zum Narren halten, zur Rede stellen, übers Ohr hauen, zum besten haben, hinters Licht fuhren, im Stich lassen, der Gefahr aussetzen; (etwas) zum besten geben, auf die leichte Schulter nehmen, in Gang bringen u. a. m.

Seine grüne Uniform und die Mägde, die aus den Fenstern kicherten, brachten mich so sehr in Verlegenheit, daß ich den Namen meines Gastgebers vergaß... (J. R. Becher)

Nein, du darfst mich nicht im Stich lassen! (J. R. Becher)

...er möge mal endlich den Hof in Ordnung bringen. (A. Seghers)

Rat und Aufklärung suchend, stellte Eduard bei Gelegenheit seine Schwester zur Rede. (Th. Mann)

Anmerkung. Die meisten transitiven Verben des Deutschen entsprechen auch im Russischen transitiven Verben: geben, nehmen, erzählen, sagen, nähen, sehen, kochen, schildern, bauen, malen, hören, mitteilen, singen, besprechen, vergessen, verlassen und viele andere.

Manchen transitiven Verben im Deutschen entsprechen jedoch intransitive russische Verben, vgl.: brauchen — нуждаться в; fordern — требовать (род. пад.); fürchten — бояться (род. пад.); genießen — наслаждаться; пользоваться (твор. пад.); grüßen — кланяться (дат. пад.); heiraten — жениться на, выходить замуж за; leiten — руководить (твор. пад.); pflegen — ухаживать за; stören — мешать (дат. пад.); beachten — обращать внимание на; beneiden — завидовать (дат. пад.); anreden — заговорить с, обратиться к u. a. Vgl.:

"Onkel Gustav, willst du nicht lieber schlafen? Es ist nach drei Uhr.“ — „Und du?“ — „Ich hatte zu arbeiten.“ — „Störe ich dich?“ (W. Bredel)

Sehen Sie mich an.“ (Th. Mann)

Er genoß seinen Frieden.,. (Th. Mann)

"Отчего ты не спишь, дядя Густав? Ведь четвертый час“. — „А ты?“ — „Мне нужно было поработать“. — „Я тебе не мешаю“?“

Посмотрите на меня“.

Он наслаждался покоем.,,

Источник: https://studfile.net/preview/16712778/