6. durch den Infinitiv in der Konstruktion accusativus cum infinitivo.
Oben hörte ich den Vater Klavier spielen und die Mutter singen... (J. R. Becher)
Der General sah einen einfachen Soldaten von etwa fünfundzwanzig Jahren vor sich stehen... (B. Kellermann)
Er fühlte wieder diesen ohnmächtigen... Haß in sich aufsteigen... (Th. Mann)
Das Dativobjekt ist die übliche Form für das indirekte Objekt. Es bezieht sich auf objektive intransitive Verben und nennt meist die Person oder das Ding, für die der Vorgang bestimmt oder auf die er gerichtet ist. Das Dativobjekt antwortet auf die Frage wem?
Georg folgte dem Männlein vom Weg ab über den Wiesengrund. (A. Seghers)
„Ich danke Ihnen, Lisaweta Iwanowna...“ (Th. Mann)
Bei manchen Verben ist das Dativobjekt ein grammatisch notwendiges Satzglied, so bei den Verben: begegnen, gleichen, sich nähern, entfallen, beiwohnen, nachblicken, zunicken u. a.
Ich begegnete meinem Freund... (E.E. Kisch)
Ich blickte zur Mutter auf, die heute ganz dem Bild glich, das auf der Staffelei im Salon stand. (J. R. Becher)
Moskau... Walter näherte sich der Stadt mit einem zwiespältigen Gefühl. (W. Bredel)
Die Ätherflasche entfällt seinen zitternden Händen... (H. Fallada)
Volpert sah ihm finster nach. (A. Seghers)
Viele transitive Verben verlangen außer einem Akkusativobjekt noch ein zweites, ein Dativobjekt. Dabei bezeichnet das Akkusativobjekt den Gegenstand der Handlung, das Dativobjekt die Person. Dazu gehören die Verben: geben, schenken, erzählen, sagen u. a.
„Mama, erzähl mir ein Märchen“, bittet er. (H. Sudermann)
„Du, jetzt laß ich dich nicht mehr los, bevor du mir nicht alles gesagt hast!“ (J. R. Becher)
Bei manchen unpersönlichen bzw. unpersönlich gebrauchten Verben nennt das Dativobjekt die Person, welche sich, in einem gewissen Zustand befindet, der von inneren oder äußeren Gründen bedingt wird: schwindeln, grausen, gehen, fehlen, mangeln, ekeln u. a.
Dem Vater grauset's... (J. W. Goethe)
„Wie geht es denn meinem alten Freund Wiebel?“ (H. Mann)
Es fehlt den Männern der Gironde an Entschlossenheit. Den Jakobinern nicht. (W. Bredel)
Das Dativobjekt kann auch von einem prädikativen Adjektiv abhängen: treu, dankbar, ähnlich, böse, feind, fremd, fern, gleich, gut, willkommen, gewachsen, überlegen.
„Ich war' der Elli treu...“ (A. Seghers)
„Lieber Franz,... sei mir nicht bös...“ (A. Seghers)
Lüge und Heuchelei waren ihm fremd... (J. R. Becher)
...des Grafen Adjutant... war mit seinen Gedanken fern jenen Befürchtungen, die dem Grafen Sorgen machten... (W. Bredel)
Das Genitivobjekt kommt in der deutschen Sprache verhältnismäßig selten vor. Als indirektes Objekt bezieht es sich auf objektive intransitive Verben, bezeichnet aber gleich dem direkten Objekt den Gegenstand der Handlung. Meist ist das Genitivobjekt ein grammatisch notwendiges Satzglied; es antwortet auf die Frage: wessen?
Herr Buddenbrook bediente sich seiner goldenen Tabaksdose. (Th. Mann)
Der Toten des Krieges, der Gefallenen und der. nachher Geopferten soll gedacht werden... (H. Mann)
Die Zahl der Verben, die im Deutschen ein Genitivobjekt verlangen, ist ziemlich gering. Das sind vor allen Dingen: 1) Manche Verben mit sich: sich bedienen, sich bemächtigen, sich entsinnen, sich entwöhnen, sich schämen, sich erfreuen, sich annehmen, sich erinnern, sich begeben u. a.; 2) die Verben bedürfen und gedenken.
Unentschlossenheit hatte sich Charlotte Cordays bemächtigt... (W. Bredel)
...Marcel... schämte... sich seiner Angst... (W. Bredel)
Mag er sich zuweilen meiner erinnern, wenn er Zeit dazu hat. (A. Seghers)
Manchmal gedenke ich auch des alten, lieben Märchens von dem Fischerknaben... (H. Heine)
„Der Angeklagte hat getan, was erst wenige vermochten: er hat sich seines Herrentums begeben...“ (H. Mann)
Viele Verben, die früher den Genitiv regierten, verlangen jetzt ein präpositionales Objekt, seltener ein Akkusativobjekt. Dazu gehören: sich freuen, genießen, vergessen, denken, lachen, spotten, harren, sparen und manche anderen. Manchmal (meist im gehobenen Stil) wird nach diesen Verben auch jetzt ein Genitivobjekt gebraucht. Vgl.:
Ottilie erinnerte sich jenes ersten Besuchs, jedes Worts, was über Ehestand und Scheidung, über Verbindung und Trennung, über Hoffnung, Erwartung, Entbehren und Entsagen gesprochen ward. (J. W. Goethe)
Franz... erinnerte sich an jedes Wort,... an jeden Wechsel in Georgs Gesicht. (A. Seghers)
Und plötzlich erinnerte sich Francisco Goya einer Episode, die er vergessen und lange gesucht hatte. (L. Feuchtwanger)
Gerät es gut, so freue er sich seiner Weisheit und seines Glücks. (J. W. Goethe)
Der Sekretarius mußte meiner lachen. (H. J. Ch. Grimmeishausen)
So durchreiste er die Welt, lernte sie und ihren wechselseitigen Verkehr aufs Genaueste kennen — und vergaß dabei seines Vorteils nicht. (J. W. Goethe)
General Gneisenau liebte Geselligkeit... Auf den heutigen Abend freute er sich besonders. (W. Bredel)
Nein, ich hatte in diesem Augenblick keine Angst und mußte über mich selbst lachen. (J. R. Becher)
Hatte ich euch vergessen? fragte er. Nein, niemals! Nicht dich, Hans, noch dich, blonde Inge! (Th. Mann)
Einige transitive Verben verlangen außer einem Akkusativobjekt noch ein zweites, ein Genitivobjekt. Dabei bezeichnet das Akkusativobjekt meist die Person, das Genitivobjekt den unmittelbaren Gegenstand der Handlung. Dazu gehören die Verben: anklagen, berauben, beschuldigen, versichern, würdigen und einige andere.
„Sie klagen mich des Hochverrats an der Republik an!“ begann Walter... (W. Bredel)
Sie könnten ihn seines einzigen Vorrechtes berauben... (A. Seghers)
...er freute sich der Achtung, deren man ihn würdigte. (L. Feuchtwanger)
Das Genitivobjekt kann auch von einem prädikativen Adjektiv abhängen. Dazu gehören die Adjektive: überdrüssig, müde, gewiß, sicher, wert, bewußt, gewahr u. a.
...plötzlich ist er todmüde, müde dieses Frauenzimmers und seines frechen, pöbelnden Tones, müde des planlosen Umherirrens in dieser Riesenstadt, müde all der Unordnung, des Schmutzes, der Streiterei. (H. Fallada)
Er war seiner Sache gewiß. (H. Mann)
Ich bin deiner überdrüssig... (Th. Mann)
„Helfen Sie mir, daß ich Ihrer wert werde.“ (W. Bredel)
...Napoleon Fischer blieb sich der Pflicht seines Amtes bewußt. (H. Mann)
Anmerkung. Einem Genitivobjekt im Deutschen entspricht meist irgendein anderes Objekt im Russischen, vgl.: sich bedienen — пользоваться (твор. пад.); sich bemächtigen — завладеть (твор. пад.); bedürfen — нуждаться в; gedenken — помнить, вспоминать о; sich entsinnen — вспоминать (помнить), припоминать (вин. пад.); sich entwöhnen — отвыкать от; sich erfreuen — радоваться (дат. пад.), наслаждаться (твор. пад.); sich annehmen — заботиться о, заняться (твор. пад.); sich erinnern — вспоминать, помнить (вин. пад.). Vgl.:
...jetzt aber, da er sehen mußte, wie die Leidenschaft der Musik... sich auch seines Sohnes bemächtigte, wurde sie ihm zu einer feindlichen Macht... (Th. Mann) „Möchten Sie sich da nicht des guten Mädchens ein wenig annehmen?“ fragte er harmlos und gelassen. (H. Mann) „Erinnern Sie sich des Gartens, mein Herr, des alten, verwucherten Gartens hinter dem grauen Patrizierhause?... Erinnern Sie sich auch des Springbrunnens in seiner Mitte?... Entsinnen Sie sich des Bildes, mein Herr?“ (Th. Mann) |
Но теперь, когда он увидел, что музыка, эта... страсть... целиком завладела его сыном, он стал относиться к ней, как к некоей враждебной силе... „Не согласились бы Вы позаняться немного бедной девушкой?“— спокойно и простодушно спросил он. „Помните ли Вы сад, сударь, старый запущенный сад позади серого патрицианского дома?.. Помните ли Вы фонтан в глубине сада?.. Помните ли Вы эту картину, сударь?" |
Das präpositionale Objekt wird durch ein Substantiv bzw. Pronomen mit einer Präposition ausgedrückt. Dabei hängt der Kasus des Objekts von der entsprechenden Präposition und von der Bedeutung des Verbs ab. Das präpositionale Objekt antwortet auf die Fragen: an wen?, woran?, mit wem?, womit?, auf wen?, worauf?, von wem?, wovon? u. a. m. Als Präpositionalobjekt können auch Pronominaladverbien auftreten.
Koltwitz träumt von Orangenplantagen, Olivenhainen, Gebirgseinsamkeiten, weiten Ausblicken auf das Meer... (W. Bredel)
Er machte sich über sich selber lustig. (L. Feuchtwanger)
„Oh“, sagte er, „ich denke nicht oft daran...“ (H. Böll)
Er sagt: „Ja, aber sicher, gewiß, davon bin ich überzeugt.“ (W. Steinberg)
Die Adverbialbestimmung ist ein Nebenglied des Satzes, das gleich dem Objekt unmittelbar zur Gruppe des Prädikats gehört. Sie schließt sich dem Verb an und weist auf die Eigenschaften des Vorgangs und auf dessen Zweck hin, konkretisiert den Vorgang in bezug auf Ort, Zeit, Grad, Grund, Maß, Art und Weise usw.
Anna Nieth... fühlte sich dort nach drei Jahren noch ebenso schlecht wie am ersten Tag. (A. Seghers)
Auf den Treppenabsätzen standen Eimer mit Sand und Wasser. (E. M. Remarque)
Binding glänzte vor Vergnügen. (E. M. Remarque)
Die Adverbialbestimmung kann sich auch auf ein Adjektiv Beziehen. Als Bestimmung eines Adjektivs bezeichnet sie meist den Grad der Eigenschaft.
...beschirmt von gefältelter Seide, brannte mäßig helles Licht. (A. Zweig)
Es ist eisig kalt. (J. Petersen)
Je nachdem von welcher Seite das Prädikat näher bestimmt wird (Zeit, Ort, Zweck, Grund usw.), unterscheidet man sinngemäß folgende Adverbialbestimmungen: die Adverbialbestimmung des Ortes, der Zeit, der Art und Weise, der Folge, des Vergleichs, des Grundes, der Bedingung, der Einräumung, des Zweckes, des Maßes, der Modalität, des Urhebers.
Die Adverbialbestimmung des Ortes (lokale Umstandsbestimmung) bezeichnet den Ort der Handlung (wo?), den Ort als Richtung der Handlung (wohin?) oder den Ort als Ausgangspunkt der Handlung (woher?).
Tiefe Stille herrscht im Wasser... (J. W. Goethe)
Elli ging in die Stadt hinein. (A. Seghers)
Aus dem Zimmer vernahm er Stimmen. (B. Uhse)
Die Adverbialbestimmung des Ortes kann ausgedrückt werden:
1. durch lokale Adverbien (zuweilen mit einer Präposition): hier, dort, da, oben, unten, vorn, hinten, links, rechts, draußen, drinnen, nirgends, überall, nach oben, nach unten, dahin, dorthin, von dort u. a.;
Draußen standen Landarbeiter und blickten auf den Zug. (E. M. Remarque)
Oben saß Wolfgang, unten wirtschaftete am Herd das fremde Mädchen. (H. Fallada)
„Von fern her kommen wir gezogen | Und flehen um ein wirtlich Dach — „ (F. Schiller)
2. durch Substantive mit Präpositionen;
Graeber ging zu seinem Dorf zurück. (E. M. Remarque)
Er sitzt nun wieder hinter seinem Tisch. (H. Fallada)
Sie setzten sich auf den Koffer. (A. Seghers)
3. durch ein Substantiv im Akkusativ (meist als Straßenangäben in Adressen).
„Ich wohne in achtzehn“, sagte er. „Hakenstraße achtzehn.“ (E. M. Remarque)
Die Adverbialbestimmung der Zeit (die temporale Umstandsbestimmung, die Temporalbestimmung) gibt den Zeitpunkt der Handlung an (wann?), ihre Dauer (wie lange?, seit wann?, auf wie lange?, bis wann?), ihre Wiederkehr (wie oft?).
Um diese Stunde saß Fiedler schon vor der Stadt in der Laube... (A. Seghers)
Aber eines Tages war der Deputierte Barbaroux nach Paris zurückgefahren. (W. Bredel)
Hermann hatte damals bis in die Nacht bei ihnen gesessen. (A. Seghers)
Und allwöchentlich legte er ihr auf den Tisch... dieselbe Summe Geldes wie früher... (A. Zweig)
Die Adverbialbestimmung der Zeit kann ausgedrückt werden:
1. durch temporale Adverbien (zuweilen mit einer Präposition): jetzt, heute, gleich, morgen, gestern, bald, endlich, oft, tagelang, früh, mittags, spät, täglich, abends, nachts, lange, niemals, jemals, immer, stets, häufig, sofort, zuweilen u. a. m.;
„Was ist heute für ein Tag?“ fragte er. (E. M. Remarque)
Nun bin ich doch zu spät gekommen, dachte er... (B. Uhse)
Röder hatte also bis jetzt nichts ausgesagt. (A. Seghers)
Oft hat Miesicke draußen von Mißhandlungen auf dem Stadthaus gehört. (W. Bredel)
Er betrachtet lange die zerstörte Orgel. (W. Bredel)
2. durch Substantive mit Präpositionen;
An einem sonnigen Septembermorgen pflügten zwei Bauern auf zweien dieser Äcker... (G. Keller)
Nach der Mittagspause sind sie allein in der Wachtstube... (W. Bredel)
Seit dem 1. März, seit über sieben Monaten, ist Walter Kreibel in Schutzhaft. (W. Bredel)
In derselben Mittagspause stand Franz in seiner Kantine und horchte. (A. Seghers)
Merke: am Tage, am Morgen, am Abend, am Montag; in der Nacht, im Jahre 1950, im Januar, in der Woche; um 7 Uhr, um Mitternacht.
3. durch Substantive im Akkusativ oder Genitiv;
Diesen Morgen ist wieder ein Paket Zeitungen angekommen. (H. Heine)
Vier Monate hatte er in Sachsen gearbeitet... (W. Bredel)
Eines Abends läuft Kreibel aufgeregt durch die Straßen Barmbecks. (W. Bredel)
Andern Tags wartete auf Charlotte Corday im Haus ihrer Tante ein Fremder... (W. Bredel)
4. durch Grundzahlwörter (bei Bezeichnung des Jahres in Daten).
1940 war er eingezogen worden, hatte sich zur Luftwaffe gemeldet... (W. Bredel)
...meine ersten Notizen für den „Untertan“ sind von 1906. Geschrieben wurde er 1912 bis 1914... (H. Mann)
Die Adverbialbestimmung der Art und Weise gibt an, wie, auf welche Weise oder mit Hilfe welcher Mittel die Handlung vor sich geht, sowie den Grad und das Maß der Handlung. Diese Adverbialbestimmung bezeichnet ferner den Grad einer Eigenschaft, die durch ein Adjektiv ausgedrückt ist. Somit unterscheidet man folgende Unterarten der Adverbialbestimmung der Art und Weise:
1) die Adverbialbestimmung der Art und Weise im engeren Sinne;
2) die Adverbialbestimmung des Mittels (Instrumentalbestimmung);
3) die Adverbialbestimmung des Grades (der Intensität).
I. Die Adverbialbestimmung der Art und Weise im engeren Sinne gibt an, wie, auf welche Weise, auf welche Art die Handlung vor sich geht, und antwortet auf die Fragen: wie?, auf welche Weise?
Petra schüttelte energisch den Kopf... (H. Fallada)
...Franz... springt in langen Sätzen die Treppe hinunter. (J. Petersen)
Langsamen und gemessenen Schrittes trat Taubenhaus an das Rednerpult. (B. Kellermann)