Ein Kind ist uns geboren
Ein Kind ist uns geboren, lebendig und geliebt,
die Welt ist nicht verloren, solang es Kinder gibt.
Und wir sehen dich an,
wie du schläfst, wie du wachst, und wir lächeln dir zu,
ob du weinst oder lachst.
Und wir danken für dich, und wir bitten den Herrn, ach, beschütz unser Kind, denn wir haben es gern.
Und wir wünschen so sehr, dass du wächst und gedeihst, bis du selber erkennst,
wer du bist, wie du heißt.
Ein Kind ist uns geboren, lebendig und geliebt,
die Welt ist nicht verloren, solang es Kinder gibt.
(Lothar Zenetti)
Was ist der Mensch
Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, des Menschen Kind,
dass du dich seiner annimmst?
Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob.
(aus Psalm 8)
Du hast ihm die kleinen Hände gegeben
Du hast ihm die kleinen Hände gegeben. Wir wollen sie mit guten Dingen füllen.
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Dingen zum Spielen, zum Begreifen,
zum Bearbeiten.
Du hast ihm die kleinen Füße gegeben.
Wir wollen mit ihm gute Wege gehen.
Wege der Versöhnung,
Wege zu Freunden, zum Frieden.
Du hast ihm die großen Augen gegeben.
Wir wollen alles tun,
damit er Gutes zu sehen bekommt, Anlass zum Lachen,
zur Freude,
zum Nachdenken.
Du hast ihm den schönen Mund gegeben. Wir wollen uns bemühen,
dass er schmecke das Gute des Brotes, das Schöne der Worte,
das Heitere der Liebe.
Du hast ihm den Verstand gegeben. Wir wollen uns anstrengen,
ihn auszubilden, Schönheit zu erkennen, Recht zu gewähren und
Neues zu entwerfen.
(Bernhard von Issendorf)
Der Schritt zurück
Er stand am Rand. Zehn Meter unter ihm die gleißende Wasseroberfläche. Er hatte Angst, nackte Angst. Hinter sich hörte er die Stimme des Trainers: „Spring!“
Leute starrten nach oben. Er musste springen, damit sie ihre Sensation bekamen. Er fühlte, dass er es nicht schaffen würde. Er war noch nicht soweit. Aber er musste beweisen, dass er ein Mann war. Lieber tot sein, als sich vor diesen Gesichtern zu blamieren. Er blickte nach unten. Warum lächelte niemand? Lauter gespannte Ovale mit harten Augen. Er forschte in seinem Gewissen. Wenn er sprang, war irgendetwas damit erreicht? Tat er damit etwas Falsches? Etwas Richtiges? Er wusste, was er tun sollte, warum sträubte er sich dagegen? Aber war das Springen heldenhaft, hatte es einen Sinn? Ein Schritt nur! Sein Fuß schob sich langsam vor. Dann ging ein Ruck durch seine Gestalt. Er richtet sich auf und drehte sich um. Ganz bewusst. Seine Unsicherheit
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war von ihm gewichen, der Druck, der auf ihm lastete, verschwand. Langsam kletterte er die Leiter herab und schritt durch die starre Gruppe.
Zum ersten Mal in seinem Leben trug er den Kopf hoch. Er begegnete den Blicken der anderen mit kühler Gelassenheit. Keiner sprach ein Wort oder lachte gar. Er fühlte sich so stark, als hätte er gerade die wichtigste Prüfung in seinem Leben bestanden. Er spürte so etwas wie Achtung vor sich selbst. Eines Tages würde er springen, das wusste er plötzlich. (von Annette Rauert)
So spricht Gott:
Ich wollte dir schon immer sagen: ich bin für dich da.
Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir.
Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt. Meine Liebe bleibt seit Ewigkeit gleich, ob du dich abwendest
oder dich mir zuwendest:
ich liebe dich. Weil du lebst, liebe ich dich.
Weil du dich entfaltest, liebe ich dich.
Weil du Mensch bist, liebe ich dich.
Weil du der Erde angehörst, liebe ich dich.
Weil du dich in Raum und Zeit, in einem bestimmten Raum
und in einer bestimmten Zeit bewähren musst, liebe ich dich.
Ich kenne deine Geschichte. Mir ist nichts verborgen.
Du kannst dich mir anvertrauen, ich habe Zeit für dich,
wann immer, wo immer, wie oft auch immer.
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Wenn du willst, kannst du reden.
Rede, schreie, fluche, bete, bete an, lauf fort, komm wieder.
Mit ewiger Liebe liebe ich dich.
Meine Liebe zu dir
war schon längst wirksam,
bevor du auf die Welt gekommen bist.
Was immer du tust, ich gehe dir nach.
Ich verlasse dich auf keinen fall, denn ich liebe dich.
(Martin Gutl)
Der Tonkrug des Lebens
Jeden Tag gehen die Frauen aus dem Dorf hinunter zum Fluss. In großen Tonkrügen holen sie Wasser; denn im Dorf gibt es keine Quelle. Eines Morgens schaut eine der Frauen verträumt einen Schmetterling hinterher. Dabei stolpert sie, und der
Krug wird beschädigt. Einen zweiten hat sie nicht, auch kein Geld für einen neuen, und so umwickelt sie den Krug notdürftig mit ihrem Tuch. Aber das Wasser tropft an den Bruchstellen heraus, und als sie im Dorf ankommt, ist die Hälfte weg. „Ach“, klagt sie, „was für ein Unglück, warum war ich bloß so unvorsichtig? Alle anderen bringen mehr Wasser nach Hause! Meine Mutter hat Recht, ich bin wirklich zu nichts nütze!“
Eines Morgens aber, als die Frauen wieder zum Fluss gehen, ist der schmale
Pfad gesäumt von grünen Gräsern und vielen kleinen Blumen; rot, gelb und weiß leuchten sie. „Das waren Deine Wassertropfen“, lachen die Frauen, „sie haben den staubigen Weg zum Blühen gebracht.“
Sich verwandeln lassen
Ein Fluss wollte durch die Wüste zum Meer
Aber als er den unermesslichen Sand sah, wurde ihm angst, und er klagte:
Die Wüste wird mich austrocknen, und der heiße Atem der Sonne wird mich vernichten,
oder ich werde zum stinkenden Sumpf.
Da hörte er eine Stimme, die sagte:
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,,Vertraue dich der Wüste an."
Aber der Fluss entgegnete: "Bin ich dann noch ich selbst?
Verliere ich nicht meine Identität?"
Die Stimme aber antwortete:
"Auf keinen Fall kannst du bleiben, was du bist." So vertraute sich der Fluss der Wüste an. Wolken sogen ihn auf und
trugen ihn über die heißen Sandflächen.
Als Regen wurde er am anderen Ende der Wüste wieder abgesetzt.
Und aus den Wolken floss ein Fluss, schöner und frischer als zuvor
Und der Fluss freute sich und sagte: "Jetzt bin ich wirklich ich."
(Aus: Geschichten zur Taufe von Willi Hoffsümmer) http://bfriends.brigitte.de/foren/kinderwunsch-und-babyjahre/399341-text-zur-taufe.html
AW: Text zur Taufe
Ich habe als Taufpatin mal diesen Text gelesen:
Die beiden Hände
Es sagte einmal die kleine Hand zur großen Du große Hand, ich brauche dich,
weil ich bei dir geborgen bin.
Ich spüre deine Hand,
wenn ich wach werde und du bei mir bist, wenn ich Hunger habe und du mich fütterst,
wenn du mir hilfst, etwas zu greifen und aufzubauen, wenn ich mit dir meine ersten Schritte versuche, wenn ich zu dir kommen kann, weil ich Angst habe. Ich bitte dich:
Bleibe in meiner Nähe und halte mich.
Und es sagte die große Hand zur kleinen Hand:
Du, kleine Hand, ich brauche dich, weil ich von dir ergriffen bin.
Das spüre ich,
weil ich viele Handgriffe für dich tun darf,
weil ich mit dir spielen, lachen und herumtollen darf, weil ich mit dir kleine, wunderbare Dinge entdecke,
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