Seaspeak auf den Weltmeeren. Englisch wird heute daher vielfach als „Lingua Franca“ (Verkehrssprache eines größeren, mehrsprachigen Raumes) bezeichnet.
In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 10. Juli 99 bestätigt Gerd Raeithel, daß Englisch Weltsprache ist, prognostiziert jedoch für das 21. Jahrhundert: „Parallel zur Globalisierung verläuft eine Lokalisierung.“ Demnach werden in Zukunft die Regionalsprachen erstarken. Im Internet z.B. steigt bereits die Nachfrage nach nicht-englischen Materialien.
So gesehen kann auch nicht mehr von „Verenglischung“ der deutschen Sprache gesprochen werden: Im nächsten Kapitel, das sich mit der morphologischen, syntaktischen und semantischen Integration des Englischen in der deutschen Sprache beschäftigt, wird sich zeigen, dass nicht wie viele Sprachkritiker immer wieder befürchteten „an ihrer Substanz genagt“ wird. Die deutsche Grammatik ist stabil. Das Englische wird nur „passend“ für die jeweilige regionale Sprache umgeformt und in sie eingebettet. Natürlich verändert sich die deutsche Sprache dadurch: Vor allem in ihrer Lexik wird sie stark bereichert.
Morphologische, syntaktische und semantische Möglichkeiten bei Anglizismen. Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Frage wie die Integration der englischen Wörter im Deutschen aussieht. Es werden Verfahren dargestellt, mit denen englische Entlehnungen an das deutsche phonologische und flektivische System und an die Schreibung des Deutschen angepasst werden. Man spricht von Vollintegration, wenn die Entlehnung die größtmögliche Einbürgerung in das Sprachsystem der Nehmersprache zeigt.
Morphologie. Grundsätzlich werden vornehmlich Hauptwortarten wie Verben, Adjektive und vor allem Substantive aus dem Englischen übernommen.
Neben der vollständigen Übernahme gibt es hauptsächlich die folgenden zwei Möglichkeiten der Wortbildung, bei der englische Lexeme ins Deutsche integriert werden: 1. Die Komposition, bei der englische Lexeme mit deutschen oder englischen Lexemen kombiniert werden, und 2. die Derivation durch Adaptionselemente, bei der durch Affigierung (Anfügen von Affixen) ein fremdes Wort in eine best. Wortart oder Wortklasse (mit dazugehöriger Flexion) überführt wird. Auch kann eine Anpassung durch Lautsubstitution erfolgen: Das englische Wort, welches Laute enthält, die in der Nehmersprache nicht vorkommen, wird lautlich angepaßt, z.B. service -> servis, abturnen -> abtörnen, stike -> Streik (nach der neuen Rechtschreibung legitim).
Substantivbildungen. Es gibt eine Reihe von Mischkomposita, bei denen es sich um entlehnte Zusammensetzungen handelt, z.B. Songwriting, Bonehead, oder um Komposita aus fremden und eigenen Anteil, z.B. hybride Bildungen wie Haarspray, Popsänger, Kneipenflirt, Kuh-Look.
Weiterhin können Substantive gebildet werden mit aus dem engl. stammenden Präfixen und „combining forms“, z.B. Ex-Frau, Afro-Look.
Sehr häufiges Vorkommen haben Täterbezeichnungen als Ableitung vom engl. Substantiv mit Suffix –er, z.B. Rapper, Kidnapper mit dazugehöriger Verbform: rappen, kidnappen.
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In der Umgangssprache sind Kurzformen z.B. Übernahmen oder Wortbildungen mit –i, -ie oder –o-Suffix als englische Ableitung sehr verbreitet: Bulli, Brummi, Softie, Hippie, Teenie, Prolo, Fascho.
Die Genuszuordnung bei Substantiven folgt in der Regel dem Genus der nächsten deutschen lexikalischen Entsprechung: das Tape (das Tonband), der Fun (der Spaß).
Bei den Pluralbildungen wird das engl. Plural-s übernommen: die Songs, die Bands. Bei Substantiven auf –er erfolgt die deutsche Pluralbildung mit Nullmorphem: die Raver, die Rocker, die Punker (auch Punks). Weibliche Täterbezeichnungen können auch modifiziert werden mit der Endung „-in“ (Plural: „-innen“): Raverin, Punkerin.
Adjektivbildungen. Sehr häufig sind direkte Adjektiv-Übernahmen ohne Anfügung, z.B. heavy, cool, clever, easy, happy, meist mit der dazugehörigen deutschen
Flektion: clever, am cleversten; cool, cooler, am coolsten; groovig, grooviger, am groovigsten.
Häufig sind auch Ableitungen von engl. Substantiv zum dtsch. Adjektiv mit dem Suffix –ig: Grunge -> grungig, Freak -> freakig, Space -> spacig, ebenfalls in flektierter Form.
Auch werden engl. Adjektive mit der Endung –y zu dtsch. Adjektiven mit –ig- Suffix angepasst: tricky -> trickig, funky -> funkig, groovy -> groovig.
Verbbildung. Üblicherweise werden engl. Verben mit dem dtsch. Suffix der Infinitivform angepasst (mit der damit verbundenen Möglichkeit der Flexion): z.B. „- ieren“ -> to involve zu involvieren, to realize zu realisieren, to legalize zu legalisieren; und „-en“ -> to check zu checken, to beam zu beamen, to load zu loaden.
Auch möglich ist eine Ableitung vom engl. Adjektiv zur dtsch. Verbform mit der Infinitiv-Endung –en: top -> toppen: „Das ist nicht mehr zu toppen!“
Beim Perfektpartizip ist sowohl die Anfügung des Präfixes „ge“- und der Endung „-t“ als auch die hybride Schreibung „ge-(e)d“ möglich: getuned, geouted. Geläufig sind auch Modifikationen oder Kompositionen von Verben durch Anfügung von Präfixen: ausflippen von flip out, ab-, an-, -durch-, verchecken von check, abrocken, abgrooven, reinpowern, antesten.
Syntax. Auf syntaktischer Ebene lassen sich englische Wörter u.a. aufgrund ihrer Flektionsmöglichkeiten problemlos ins Deutsche einfügen.
Es finden sich außerdem zahlreiche Lehnwendungen wie „Das ist nicht mein Ding“ und die im Deutschen gängigen Imperativformen „Vergiß es“ von „forget it“ und „Laß uns“ von „let us“.
Neue Wendungen entstehen häufig durch Kombination mit einem englischen Element: Pep im Blut, Speed machen, nicht ganz fit sein.
Bezüglich der Grammatik und der Phonologie werden v.a. in der Jugendsprache häufig nicht-standarssprachliche Merkmale und Schreibweisen aus dem Englischen übernommen: gimme (give me), ain`t (isn`t / haven`t), groovin` (grooving), Nigga (Nigger), Bruda (von Bruder), tuff (tough), thanx (thanks). In der Zeichensetzung wird bei den Pluralformen gelegentlich das (auch im Englischen) nichtstandardsprachliche Apostroph übernommen: die CD`s, die Jung`s.
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Semantik. Aus semantischer Sicht kommen bei der Verwendung von Anglizismen zu dem begrifflichen Inhalt (Detonation) eines Sachverhaltes häufig ein Nebensinn und ein Gefühlsinn (Konnotation), also eine weitere Bedeutung.
Oft entstehen im Deutschen durch den Einfluss des Englischen Wörter (Wortneubildungen), die in der Bedeutung noch nicht einmal in der Gebersprache vorkommen: Happy End (Happy Ending), Oldtimer (veteran car), Slip (pants), Smoking (dinner jacket).
Die ähnliche Struktur der Gebersprache Englisch und der Nehmersprache Deutsch ermöglicht semantische, lexikalische und morphologische Eigenwege des
Deutschen. Das Adjektiv „fit“ beispielsweise wird in zahlreichen Sachgebieten verwendet und geht im Deutschen über die eigentl. engl. Bedeutung (gesund, körperlich in gutem Zustand) hinweg: Er ist fit für die Klausur. Sie hat den Wagen wieder fit gekriegt. Deutschland ist europafit.
Auch ergeben sich sehr häufig Bedeutungsverschiebungen z.B. bei Wendungen wie „Ich liebe…“ und „Ich hasse...“ hat sich durch den Einfluss aus dem Englischen die einstige emotionale Schärfe verschoben, ebenso bei “killen“ und „töten“.
Weiterhin wird die deutsche Sprache unter dem Einfluss des Englischen durch zahlreiche Bedeutungsübertragungen (Methapern) erweitert.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine leichte Integration der Anglizismen ins Deutsche unter morphologischen und syntaktischen Gesichtspunkten möglich ist. Dies ist erklärbar aufgrund der Ähnlichkeit der beiden Sprachsysteme. Es kann bestätigt werden, dass sich der deutsche Sprecher bei der Verwendung von Anglizismen zum größten Teil an das dtsch. Wortbildungsmuster hält. Unter semantischen und lexikalischen Gesichtpunkten kann man von einer Bereicherung des dtsch. Wortschatzes sprechen.
Gründe für den Gebrauch von Anglizismen. Hinsichtlich ihrer semantischen
Leistung im Deutschen können Anglizismen in einem Kontinuum zwischen „Bedürf- nis-Lehnwörtern“ und „Luxuslehnwörtern“ eingeordnet werden. Die wichtigsten Motive für den allgemeinen Gebrauch von Anglizismen in der deutschen Sprache sollen im Folgenden zusammengefasst werden.
1.Sprachökonomische Faktoren.
Da in der Gemeinsprache ein allgemeiner Trend in Richtung Sprachökönomie
geht sind englische Einsilber sehr verbreitet: Film, Club, Trend, Dock, Kick, Trip, Flop, Trick, Pop, Stop, Tip. Auch Initialwörter, „Akkü“-Wörter u. Klammerformen: sind sehr beliebt: Hi-Fi (High Fidelity), Laser, Radar, AIDS, LP (Long Playing), Motel (Motor-Hotel), Brunch (Breakfast + Lunch), Smog (smoke + fog), Pop (popular), VIP (Very Important Person), Strip (Striptease).
2.Sachentlehnung und Differenzierung.
Anglizismen stellen häufig eindeutig definierbare Zeichen für bestimmte Sach-
verhalte und Techniken dar, wobei zugleich die Herkunft angezeigt wird. Anglizismen dienen daher in vielen Bereichen als fachsprachliche und wissenschaftliche Verständigungsmittel und bieten neue Differenzierungsmöglichkeiten. Durch Anglizis-
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men können Wortfelder erweitert werden z.B. im Bereich Musik: Chanson, Schlager,
Lied ->Song, Hit, Evergreen, Oldie.
3.Ausdrucksvariation und Expressivität.
Anglizismen stellen Synomyme dar, sind häufig ein Ersatz für Wörter der ei-
genen Sprache, die mit Konnotationen und Assoziationen beladen sind, und können zur Verstärkung des Ausdrucks eingesetzt werden.
4. Prestigewert.
Durch Anglizismus kann Positives, Wertneutrales assoziiert werden. Ein Anglizismus kann eine neue bevorzugte Haltung zur bezeichneten Sache wiederspiegeln und zeigt einen Wandel sozialer Verhältnisse an, z.B. Teenager statt Backfisch (Ta- bu-Umschreibung und Euphemisierung).
5.Leichte Integration.
Da Englisch und Deutsch zur germanischen Sprachgruppe gehören also ver-
wandte Sprachen sind, weisen sie eine ähnliche Struktur auf, was eine Intergration engl. Wörter in das deutsche Sprachsystem erleichtert. Selbst die abweichenden Anlaute „j“ (Jogging, Job), „ch“ (Chip, Check), „th“ (Thriller, Thatcher) stellen in der Regel kein Problem für den dtsch. Sprecher dar.
6. Weltsprache Englisch.
Aufgrund der Führungsrolle der USA in Wissenschaft und Technik ist Englisch Weltsprache. Der Bestand an Anglizismen im Deutschen gibt daher Auskunft über den eigenen kulturellen Standard und den Wissensstand.
Stilistische Funktion von Anglizismen in der Pressesprache. Wenn man untersucht in welchen Bereichen Anglizismen verwendet werden fällt auf, dass der Gebrauch in den Massenmedien sehr hoch ist. Aus dieser Quelle gelangen die meisten Anglizismen in die deutsche Gemeinsprache. Bei der folgenden Betrachtung sollen die Motive für den Gebrauch von Anglizismen in der dtsch. Pressesprache als einer Form von Schriftsprache dargestellt werden.
Anglizismen erfüllen in der Presse eine bestimmte Mitteilungsfunktion. Zunächst werden Anglizismen in der Presse wie auch in der Gemeinsprache ohne Zweifel aus ökonomischen Gründen verwendet. Da ein Zeitungstext abwechslungsreich, aktuell und interessant gestaltet werden soll, dienen Anglizismen außerdem zur Variation des sprachlichen Ausdrucks. Anglizismen zeichnen sich durch ihre Auffälligkeit, ihre Bildhaftigkeit, durch die Möglichkeiten der Wortspielerei aus, und dienen der Ausdrucksverstärkung. Dadurch wird dem Text ein bestimmter Stil verliehen.
Anglizismen stellen daher funktional-stilistisch differenzierte Sprachzeichen dar, die funktional oder expressiv verwendet werden können. Der Gegensatz dazu sind funk- tional-stilistisch undifferenzierte Sprachzeichen, die zum Grundwortschatz gehören, gleich gebraucht und verstanden werden.
Durch den Gebrauch von Anglizismen kann dem Text ein bestimmter Kolorit verliehen werden. Ein Kolorit kennzeichnet die besondere Stimmung, Eigenart und
Atmosphäre einer Schilderung. Begleitund Nebenvorstellungen, reaktive Gefühlen und Stimmungen, die beim Gebrauch des Anglizismus mitschwingen, tragen zum Kolorit bei. Man unterscheidet zwischen Lokalkolorit, Fachkolorit und Sozialkolorit.
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Ein Lokalkolorit liegt vor, wenn der Anglizismus als sprachl. Zeichen verwendet wird um das Herkunftsland und dessen Eigenart anzuzeigen, so dass der Leser gewisse emotionale Vorstellungen mit der genannten Nationalität oder Region verbindet, z.B. Slums, Gospel, Sheriff.
Ein Fachkolorit liegt vor, wenn ein Anglizismus zur Realienbeschreibung verwendet wird, um die beruflichen und fachliche Aspekte hervorzuheben und Sachbezogenheit zu vermitteln. Dem Zeitungstext wird fachliche Kompetenz, Genauigkeit und Wissenschaftlichkeit verliehen. Anglizismen sind in der Funktion als Fachkolorit in der Presse am stärksten vertreten, was aus der wachsenden Bedeutung von Fachsprachen innerhalb der Gemeinsprache resultiert. In den folgenden Sachgebieten kommen die meisten Anglizismen vor: 1.Medien, 2.Sport, 3.Musik, 4.Wirtschaft und Finanz, 5.Kunst, 6.Technik und Verkehr, 7.Politik und Gesellschaft, 8.Mode und Kosmetik, 9.Tourismus, 10.Wissenschaft.
Ein Sozialkolorit liegt vor, wenn ein Anglizismus in einem best. sozialen Kontext gebraucht wird und eine Gruppenzugehörigkeit anzeigt, so daß eine best. Sprachgemeinschaft mit den dazugehörigen Menschen assoziiert wird. Folgende Faktoren können hierbei als gruppenbildend aufgefaßt werden: Alter, Interessensgemeinschaften, bestimmte weltanschauliche Prinzipien, Verlangen nach gesellschftl. Status. Oft entstammen Anglizismen einer Sonderlexik, die nur von Sprechern einer Gruppe aktiv gesprochen wird, z.B. der Geheimwortschatz der jugendlichen Drogenkultur: Shit, Pot, Speed, Grass, high, Trip.
Neben der Funktion als Kolorit werden Anglizismen aufgrund ihrer Expressivität verwendet. Anglizismen können dem Text einen bestimmten Ton verleihen, sie werden häufig in humoristischer, parodistischer und ironischer Weise verwendet (=vom Kontext abhängig).
Da Anglizismen häufig konnotative Bedeutungsmerkmale aufweisen können sie auch zur Euphemisierung oder Tabu-Umschreibung verwendet werden. In dem Zusammenhang haben Anglizismen drei affektivische Funktionen: Sie können einen Sachverhalt aufwerten (z.B. in der Werbesprache), abwerten oder verhüllen. Hier besteht jedoch die Gefahr, dass Anglizismen als Mittel der Täuschung, Beeinflussung und Menschenlenkung eingesetzt werden.
Anglizismen in der Jugendsprache. Die Jugendsprache als eine Varietät des
Deutschen ist für die Anglizismenforschung von großer Bedeutung, da Anglizismen (neben den Lautwörtern) gemeinhin als jugendsprachlich eingestufte Spezifika gelten. Hierbei tauchen Anglizismen sowohl in der gesprochenen als auch in der geschriebenen Sprache auf. Die Entlehnungen in der deutschen Jugendsprache gelten bereits in der Gebersprache als nicht-standardsprachlich und werden als SubstandardEntlehnungen bezeichnet.
Über die drei Wortarten Substantiv, Adjektiv und Verb hinaus, werden in der
Jugendsprache u.a. Elemente wie Interjektionen und Gesprächspartikeln (Wow, well, shit, anyway), Anreden und Grußformeln (Yoh, Hi, Hey, Bye, Peace) sowie Routineformeln und Slogans (Good Stuff, No Joke!, So what?, here we are!) entlehnt und
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